Upper Eat Side

Gaumenfreude in Giesing

20. Juni 2017
Seit Juli 2017 ist das»Upper Eat Side« zwar geschlossen, aber schon im September begrüßt Jochen seine Gäste mit einem neuen Konzept im »Dantler«.

Von Beginn an ausreserviert – das »Upper Eat Side« in der Werinherstraße ist längt eine feste Größe in der gehobenen Münchener Gastronomie. Auf dem Erfolg ausruhen will sich aber Jochen Kreppel nicht, sondern neue Pläne schmieden.

Schon beim Betreten des »Upper Eat Side« fühlt es sich nach einem besonderen Abend an. An was das liegt? Schwer zu sagen. Es ist wohl die Summe der vielen großartigen Besonderheiten, die dem kleinen Restaurant in Obergiesing einen gewissen Zauber verleihen.

Ein Koch mit Geschmack

Die extra angefertigten schlichten Holzmöbel, die zurückhaltende Tischdekoration und die Münchner Motive an den hellen Wänden laufen den Speisen nicht den Rang ab, sondern fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild. Wenn nicht klar wäre, dass Jochen gelernter Koch ist, könnte man denken, er würde irgendwas mit Design machen – so lässig und cool ist der Auftritt des »Upper Eat Side«. Aber nein, Jochen hat einfach nur Geschmack. Im wahrsten Sinne. Und das wissen auch die Gäste zu schätzen, die nach Giesing kommen, um die kleinen, feinen Tellergerichte »mit einem regionalen Augenzwinkern« sowie die erlesenen Weine – die aus Magnumflaschen ausgeschenkt werden – zu genießen.

»Ein gutes Restaurant kommt überall an. Da spielt die Lage keine Rolle.«

Seit der Eröffnung 2012 ist das »Upper Eat Side« durchgehend ausreserviert – obwohl der gebürtige Penzberger nicht ein einziges Mal Werbung oder Ähnliches geschaltet hatte. Ein Traum für jeden Gastronomen. Aber um Ruhm und Ehre geht es Jochen nicht, sondern um alpenländische Gerichte mit frischen Zutaten aus der Region – wie beispielsweise frischen Fisch aus der Aumühle. »Das Upper Eat Side lief von Anfang an über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenn du einfach gut kochst, ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis hast und auf die kleinen Details achtest, wissen das die Gäste zu schätzen und kommen wieder. Da spielt dann auch die Lage keine Rolle. Ein gutes Restaurant kommt überall an.«

Einfach gut kochen lernte er im »Nymphenburger Hof« und im »Atlantik Fisch«. Eine Anstellung bei den Top-Adressen kam nach der Ausbildung aber nicht in Frage. Jochen ist zwar zurückhaltend und bescheiden, weiß aber, was er kann und was er will:

»Für mich war klar, dass ich nach der Ausbildung selbst ein Restaurant eröffnen werde. Ich hatte genug Vertrauen in mich selbst und in meine Idee. Und dann muss man halt einfach machen.«

Mit gerade Mal Mitte Zwanzig schaute er vom Fenster seiner Giesinger Wohnung auf die Boazn in der Werinherstaße und überlegte sich, wie man wohl aus der abgeranzten 60er Kneipe ein modernes Restaurant für Giesing und ganz München machen könnte. »Wir haben hier alles selbst reingebaut. Schritt für Schritt. Anfangs war das alte 60er-Publikum nicht sonderlich begeistert, aber ich hab mich dann einmal mit der Cosa Nostra 60 München unterhalten und dann war das Thema vom Tisch«, erinnert er sich.

Einmal Giesing, immer Giesing

Auch nach so vielen erfolgreichen Jahren vergeht kein Tag, an dem Jochen nicht selbst im »Upper Eat Side« steht. »Eine zweite ›Filiale‹ möchte ich nicht und stand auch nicht zur Debatte. Ich will alles im Blick haben und die Verantwortung übernehmen. Und das könnte ich dann nicht gewährleisten.« Ein weiteres Restaurant war also nie in Planung, aber Stillstand und Ausruhen ist auch nicht Jochens Ding. Dazu aber später mehr.
Das »Upper Eat Side« wird langsam voller. Jochen, Serviceleiter Max und Servicekraft Lisi eilen in die Küche zu Tom, der wieder einmal Vollgas gibt, was das Menü angeht: Hausgemachtes Brot mit Butter, geräucherter Saibling, ein Gurken-Sorbet mit Dill, Spätzle mit weißem und grünem Spargel, Parmesan-Risotto, Lachsforelle mit Borretsch und Butter, Rauchkalb mit Kraut und Mayo, faschiertes Filet mit Kresse und Sauerrahm, als Nachtisch Erdbeeren mit Honig und Schokolade und zu guter Letzt selbstgemachtes Fruchtweißbier. Wahnsinn.

Nix da Schickeria!

Bei einem so feinen Menü liegt es nahe, dass an den Tischen eine steife, ja elitäre Atmosphäre herrscht. Von wegen. Die Gäste sind fröhlich und haben Spaß. Schickeria gibt’s hier nicht. Sondern einfach nur essen, trinken und genießen.

Schluss, aus, vorbei: Das »Upper Eat Side« schließt im Sommer

Unter dem großen Bild an der Bar, das Jochens Onkel zeigt und Bruder Martin fotografiert hatte, schwenkt Jochen einen Riesling im mundgeblasenen Zalto-Glas und erzählt, was für viele »Upper Eat Side«-Fans vielleicht ein kleiner Schock ist: Das Restaurant schließt im August! Was?! Das kann doch nicht wahr sein!

»Ich habe mit dem ›Upper Eat Side‹ alles erreicht, was ich erreichen wollte. Was soll jetzt noch kommen? Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist – und was Anderes machen.«

Ja, genau. Was Anderes. Im September schließt das »Upper Eat Side« und der »Dandler« geht mit einem völlig neuem Konzept an den Start: ein Deli mit Vitrine und Mittagstisch als Abwechslung zu Kantinen-Schnitzel und Fertig-Saucen. Jochen wird selbst hinter der Vitrine stehen und vor den Augen der Gäste täglich wechselnde Gerichte zubereiten. »Ich bin Koch und will wieder selbst am Herd stehen. Wochentags koche ich mittags und Freitagabend haben wir zusätzlich mit einer kleinen, feinen Speisekarte geöffnet.«

Doch keine Hiobsbotschaft. Jochen bleibt uns erhalten in der Münchener Gastronomie. Alles andere wäre auch wirklich ein herber Verlust.

Upper Eat Side
Werinherstraße 14
81543 München
089 – 39 29 26 89
tisch@uppereatside.de

Mo-Fr: ab 17:30 Uhr