Pizzeria Santo Anger

Immer wieder geht die Sonne auf

5. Oktober 2016

Gute Pizza, gute Musik. Bernhard Steinweg und Phil Meyer betreiben mit dem »Santo Anger« in der Blumenstraße die wohl untypischste Pizzeria Münchens.

Angefangen hat alles mit der Kultkneipe »Zum Jennerwein« in Schwabing. Der »Jennerwein« ist seit den Sechzigern legendär für Musik jenseits des Mainstreams. Bernhard Steinweg war damals selbst zu Gast, wenn sich DJ-Größen wie Monika Kruse und Sven Väth die Ehre gaben. Als er dann durch Zufall mitbekommen hatte, dass der Besitzer den »Jennerwein« abgeben will, ergriff er die Chance und übernahm 2001 die knapp 50 Quadratmeter kleine Kneipe. Und so begann Bernhards Geschichte in der Gastronomie.

Illegale Partys mit Funk, Soul und Acid Jazz

Als der gebürtige Münchner in den Neunzigern seine Heimatstadt für das Musikwissenschaften-Studium in Berlin verließ, hatte er sich definitiv nicht erträumt, dass er später mal Bar- und Restaurantbesitzer werden wird: »Das waren wilde Zeiten. In der Nähe des Alexanderplatzes veranstalteten wir illegale Partys in einem besetzten Haus und spielten Funk, Soul und Acid Jazz.« Musik gehört für Bernhard zum Leben – nicht nur privat, sondern auch beruflich: Im »Jennerwein« wird regelmäßig aufgelegt und Nachwuchskünstlern eine Bühne gegeben – und im »Santo Anger« gibt’s zur Pizza Rockabilly als Beilage.

»Italienischen Schlager gibt’s bei uns nicht. Wir haben unseren eigenen Stil, der halt nicht so typisch ist.«

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Margherita statt Hähnchenschenkel

Vor acht Jahren betrat Bernhard einen »fleischfarbenen Thai-Tempel« an der Blumenstraße und wusste: Mit viel Arbeit kann da was draus werden. Pizza war damals gar nicht unbedingt das erklärte Ziel: »Ich hatte überlegt, einen Hühnchen-Imbiss aufzumachen. Mir war wichtig, dass es schlicht, einfach und gut ist.« Statt Hähnchenschenkel stehen jetzt glücklicherweise Margherita und Caprese auf der Karte, die bewusst unaufgeregt und bodenständig gehalten ist. Das »Santo Anger« will auch kein Italiener mit der typischen Speisekarte sein, sondern eine Pizzeria mit richtig guter Musik. Das ist auch Bernhards rechter Hand Phil Meyer, der mindestens genauso musikbegeistert ist wie Bernhard selbst, sehr wichtig. Auch wenn es die Einrichtung vermuten lässt, dreht sich im »Santo Anger« nicht alles nur um Rockabilly. Um sich auf eine Richtung zu beschränken, haben die beiden viel zu viel Wissen über Musik. »Ich höre sehr gern Curtis Mayfield – besonders die Titel ›You are, You are‹, ›This Year‹ und ›Love me now, Love me now‹ gehen einfach immer.« Phil braucht nicht lange überlegen, damit ihm seine Lieblingsttitel von Curtis Mayfield einfallen. Es gibt aber auch so viel andere gute Musik, da ist die Entscheidung für einen Favoriten schwer:

»Neben Curtis Mayfield mag ich gerade ›Put your Hands up‹ von Nerina Pallot sehr gern. Aber das ist eigentlich nur ein Titel von vielen.«

Welche Musik Bernhard gerne hört, sieht man schon beim Betreten des »Santo Anger«. Metallica zwischen Led Zeppelin, The White Stripes und Joy Divison, Hank Williams an der Bar und The Misfits am Fenster – das Restaurant ist voll mit Postern von Musikkünstlern.

»Als der Architekt, den ich auch privat kenne, die ganzen Poster an der Wand gesehen hat, hat er nur die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Aber mir gefällt’s so.«

Die Poster waren Bernhards eigene Entscheidung und auch die Stühle und Bürotische mit den Karo-Tischdecken im 60iger Retro-Look waren seine Idee. Das Karo-Muster, die schwarzen Kronleuchter, die Poster und die Wände im warmen Grau, eine Farbe, die Schwester Angela aussuchte, setzen den Anspruch des »Santo Anger« als »Punkrock Pizzeria« auch visuell um.

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Take my hand, we’re off to never never land

Besonders ins Auge stechen die kalligraphischen Schriftzüge, die sich durchs ganze »Santo Anger« ziehen: Zeilen aus Metallica-Songs, die Bernhard nicht nur einmal gehört hat. ›Blackened is the end‹ heißt es beispielsweise hinten an der Wand und auf der anderen Seite des Restaurants stehen Zeilen aus dem Song ›Leper Messiah‹ geschrieben. Bei so viel Musik vergisst man fast, dass man in einem Restaurant ist – wenn nicht ein feiner Pizzaduft in der Luft liegen würde. Das »Santo Anger« wird voller und für Bernhard und Phil beginnt die Arbeit. Bis zum Feierabend werden jetzt klassische Pizzen, vegane Varianten, Salate mit Rucola und Schinken zu Wein und Bier serviert.

Und wer denkt, dass Bernhard und Phil nach einem langen Abend die Türen des »Santo Anger« mit einer harten Rocknummer schließen, irrt. Beide sind sich einig, dass es Udo Jürgens ist, der sie am liebsten in die Nacht begleitet. »Das Lied ›Immer wieder geht die Sonne auf‹ hat etwas Hoffnugsvolles, Optimistisches und dazu eine leichte Melancholie.«

Wenn das Schicksal uns etwas nimmt
Vertraue der Zeit
Denn immer, immer wieder geht die Sonne auf
Und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht
Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf
Denn Dunkelheit für immer gibt es nicht.

Santo Anger
Blumenstraße 25
80331 München
089 – 25 54 76 88
info@santoanger.de

So bis Do: 17.30 – 01.00 Uhr
Fr und Sa: 17:30 – 03.00 Uhr