Rösterei gangundgäbe

Kaffee unter fairen Bedingungen

20. September 2016

Andi Postrach hat eine große Leidenschaft: Kaffee. Herkunft, Handel und Verarbeitung – da gibt es große Unterschiede. Das »gangundgäbe« in der Kapuzinerstraße ist der Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit und Geschmack richtig gut zusammenpassen.

1 Minute 30 Sekunden: 98 Grad. 2 Minuten: 89 Grad. 2 Minuten 30 Sekunden: 92 Grad. Beim Kaffeerösten ist schon der geringste Temperaturunterschied schmeckbar. Andi dokumentiert den Röstvorgang sekundengenau und trägt jeden Wert handschriftlich in eine Tabelle ein. Absolute Präzision und konzentrierte Stille – der sonst so redefreudige Thüringer ist voll bei der Sache, wenn die hellgrünen äthiopischen Bohnen im nagelneuen »Giesen« Kaffeeröster langsam die kaffeebraune Färbung annehmen. 11 Minuten 30 Sekunden: Die Maschine stoppt, die Klappe öffnet sich und heraus strömen sechs Kilo frisch geröstete Bohnen, die einen angenehm fruchtigen Kaffeeduft im »gangundgäbe« verströmen.

Von Gera über den Starnberger See nach Ecuador

Guten Kaffee trinken – das mögen ja viele Menschen. Doch bei Andi steckt noch mehr dahinter. Alles begann mit der Ausbildung zum Hotelfachmann. Dafür ging es vom beschaulichen Gera ins prunkvolle Hotel »La Villa« am Starnberger See. »Eine lehrreiche Zeit mit tollen Kollegen.« Einem dieser Kollegen folgte Andi für zehn Monate nach Ecuador, wo er in der Großküche im »Hilton« sein Geld verdiente. Und wo er zum ersten Mal mit der unverarbeiteten Kaffeebohne in Berührung kam. Grundsätzlich eher zurückhaltend und ruhig kommt der 33-Jährige voll in Fahrt, wenn es um seine große Leidenschaft geht: guter Kaffee, hergestellt unter fairen Bedingungen, die den Bauern im Ursprungsland den Lebensunterhalt sichern. Guter Kaffee ohne Umwege und Zwischenhändler.

»Letztendlich landet man doch immer da, wo man hingehört.«

Um die politische Bedeutung und wirtschaftliche Zusammenhänge noch besser zu verstehen, setze Andi nach seinem Job im Marburger Weltladen ein Wirtschaftsstudium oben drauf. Aber anstatt die große Business-Karriere zu starten, stellte er sich zur Verwunderung seiner Familie und Freunde hinter den Tresen in einer Kaffeerösterei in Stralsund. »Schon als Kind wollte ich am liebsten mit meinen Eltern und vier Brüdern ›Restaurant spielen‹. Mir macht es einfach Spaß, Gäste zu bewirten und für Menschen da zu sein. Letztendlich landet man doch immer da, wo man hingehört.«

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Eine Radltour durch München – mit Halt an der Kapuzinerstraße

Nach München verschlug es ihn dank seiner Freundin. Der Traum vom eigenen Café war zwar schon länger da, aber nicht krampfhaft. Bei einer entspannten Radltour durch die Münchener Stadtviertel fuhr Andi an einem frisch renovierten Laden in der Kapuzinerstraße vorbei, hielt an – und wie es der Zufall so will – fand im Rückgebäude die Klingel des Hausverwalters, der auch sofort begeistert war von der Idee einer Rösterei mit fairem Kaffee. Ganz unaufgeregt, aber mit viel Freude erzählt er, wie im November 2015 die Einrichtung perfekt, der Kaffeeröster bereit und das »gangungäbe« startklar war.

In skandinavischen Ländern ist es längst gang und gäbe, fairen Kaffee auszuschenken

Ungewöhnlich ist er, der Name. »gangundgäbe« entstand nicht aus einer spontanen Laune heraus, sondern war das Ergebnis vieler Überlegungen. In einem Beitrag im Deutschlandfunk verwendete ein Moderator diese Redewendung. »Keine Ahnung mehr, um was es in der Radiosendung ging, aber ›gangundgäbe‹ spukte danach im Kopf herum.« Die Sache war dann endgültig klar, als ein Freund im Gespräch erwähnte, dass es in »Skandinavien schon längst gang und gäbe sei, fairen Kaffee zu vertreiben.« »Der Name ist nicht so gewöhnlich, man kann ihn sich merken und aus werblicher Sicht ist er vielleicht auch ganz gut.«

»Nachhaltig – das Wort ist schon so abgegriffen. Aber es trifft’s halt einfach.«

Jeden Tag sperrt der zertifizierte Kaffeeröster als One-Man-Show das »gangundgäbe« auf, sei es, um zu rösten oder um seine feinen Kaffeekreationen zu servieren. Klar, manchmal ist es anstrengend und das frühe Aufstehen macht auch nicht immer Spaß, aber das ist es wert: »Ich will den Menschen zeigen, dass es gar nicht so schwierig und teuer ist, leckeren, nachhaltigen Kaffee zu bekommen. ›Nachhaltig‹ – das Wort ist schon so abgegriffen. Aber es trifft’s halt einfach.«

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Ein Gastgeber mit gutem Geschmack und ohne erhobenen Zeigefinger

Andi liegt es am Herzen, seine Wertschätzung für ein fair gehandeltes Produkt zu teilen. Aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Sondern einfach mit richtig gutem Kaffee. Das passt auch viel besser zu ihm.

gangundgäbe – Rösterei und Café
Kapuzinerstraße 12
80337 München
089 – 55 27 83 43
mail@gangundgaebe.de

Öffnungszeiten
Mo, Mi, Do 8–17 Uhr & Di, Fr 12–17 Uhr