Millionen Tonnen für die Tonne? Das geht auch anders

12. Dezember 2016

Die »Wegwerfkultur« – kein Phantomwort, sondern bittere Realität. Millionen Tonnen Lebensmittel wandern jedes Jahr in deutsche Mülleimer. Aber es geht auch anders.

Seit 2016 müssen in Frankreich Supermärkte überschüssige Lebensmittel an karitative Einrichtungen und Hilfsorganisationen spenden. Im Grunde ein Tropfen auf den heißen Stein, da ein Großteil der Lebensmittel von privaten Haushalten weggeworfen wird: Jeder Franzose kippt jährlich im Durchschnitt 20 bis 30 Kilogramm Lebensmittel in den Müll.

18 Millionen Tonnen für die Tonne

Na gut, was der Nachbar treibt, trifft ja nicht auf uns zu. Oder? Aber wie sieht es hierzulande eigentlich aus? Ein Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln existiert nicht. Und auch in Deutschland sind die Müllbeutel prall gefüllt: Deutsche Supermärkte und Haushalte werfen satte 18 Millionen Tonnen pro Jahr weg. »Haushalte« klingt dabei schön abstrakt, aber gemeint sind tatsächlich wir. 21 Prozent aller Lebensmittel werden weggeschmissen, weil wir unsere Einkäufe schlecht planen. Und das sind im Jahresdurchschnitt Lebensmittel im Wert von mehr als 300 Euro.

Verteilen statt vernichten

Wer sich beim Einkaufen verschätzt hat oder wen beim Anblick der braunen Banane das schlechte Gewissen plagt, der kann sich zum Beispiel bei der Plattform foodsharing.de anmelden. Die Community tauscht Lebensmittel oder spendet sie an soziale Einrichtungen.
Eine andere Möglichkeit ist der Fair-Teiler: An öffentlich zugänglichen Sammelstellen stehen Kühlschränke und Regale für noch genießbare Lebensmittel parat. Bedienen darf sich jeder – und zwar gratis.

Weitere, teilweise ganz neue Food-Start-ups, die mit ihrem Service Gutes tun:

ResQ Club
Mit ResQ kann man gutes und günstiges Essen in der Umgebung finden und übrig gebliebenes Essen vor dem Wegwerfen retten.

NEUE WERTE
NEUE WERTE ist eine Initiativmanufaktur, die sich aktiv gegen einen widersinnigen Misstand bewegt und aus nonkonformen Lebensmitteln neuartige Produkte für eine nachhaltige Welt entwickelt

Dörrwerk
Die Berliner Manufaktur stellt Snacks aus gerettetem Obst und Gemüse her. Verwertet werden Obst und Gemüse, das aufgrund ästhetischer Mängel nicht mehr in den Handel kommt und weggeworfen wird.

Etepetete
ETEPETETE hat zusammen mit einem Netzwerk an Bio-Bauern ein »Auffangbecken« für extravagant aussehendes Gemüse geschaffen, das andernfalls wegen einer krummen Form im Müll landen würde.

Too good to go
TGTG vernetzt gastronomische Betriebe mit Kunden. Restaurants, Cafés, Bäckereien, Hotels oder Supermärkte können ihre überproduzierten Speisen zu einem vergünstigten Preis verkaufen anstatt diese guten Lebensmittel entsorgen zu müssen. Die Kunden suchen sich ihre bevorzugten Partnerläden in ihrer Nähe, kaufen eine Mahlzeit über die App und holen ihre Portion im angegebenen Zeitfenster im Laden ab.

Save the Plate
Die Vereinigung von Münchner Studenten gründete das Projektdas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Spenden in München

Schon lange in Bereich „Food-Saving“ aktiv ist die Münchner Tafel. Der unabhängige Verein verteilt jede Woche an verschiedenen Ausgabestellen Lebensmittel an Menschen in Armut. Spenden und ehrenamtliche Helfer sind immer willkommen.

Quelle:
Handelsblatt
WWF
Gründerszene.de
Statista.de